Führen durch Fragen

Es ist ja eine bekannte Redensart, dass, wer fragt, führt.
Und was tun wir denn eigentlich, wenn wir durch unsere Fragen führen?
Wir führen durch Fragen, indem wir zu bestimmten Vorstellungen und Ideen hinführen und dabei von anderen Vorstellungen wegführen.
Eine Frage kann wie eine Art von Fernsteuerung betrachtet werden, mit der wir unsere Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft auf bestimmte Themen und Aspekte hinlenken.
Weil das so ist, darum können wir durch bestimmte Fragestellungen unsere Vorstellungskraft dazu bringen, die Arten von Ideen und Vorstellungen zu erzeugen, die uns weiterbringen. Und, indem wir dies tun, damit aufhören, weniger nützliche Arten von Ideen und Vorstellung hervorzubringen. Unsere aktuellen Vorstellungen bilden unsere Handlungsgrundlage. Wir leben in dem, was wir für wirklich und was wir für möglich halten.
Das ist die Essenz davon, wenn wir sagen: ‘Wer fragt, führt’.

Was und wie können wir uns nun fragen? Welche Fragestellungen sind es, die uns die guten Ideen bringen? Es sind die Fragen, die genau da nachfragen. Das klingt fast zu simpel, aber es ist wahr. Es sind die Fragen, die nach den guten Ideen fragen.

Zunächst einmal, noch abgesehen von den genauen Formulierungen, fragen wir z.B.:

Wie wäre es gut …
Wie wäre es schön …
Wie wäre es richtig …

Alles das sind ganz einfache Einladungen zu Vorstellungen.

Wir haben schon gesehen, dass unsere Vorstellungskraft manchmal Zeit braucht. 

Dies gilt vor allem dann, wenn es darum geht, sich etwas Neues vorzustellen.
Wie können wir dieses ‚Zeitbrauchen‘ unserer Vorstellungskraft bei unserer Art zu fragen berücksichtigen? Auch ganz einfach: Wir berücksichtigen das, indem wir uns Zeit lassen.  Langsamer geht schneller.

Und unsere Fragestellungen bestehen deswegen auch nicht einfach nur aus einer einzelnen Frage. Sondern aus einer ganzen Reihe von Unterfragen, die wir nach und nach in der Reihenfolge und Formulierung ganz individuell angepasst nacheinander verwenden. Wir machen das, um unsere Vorstellungskraft dabei zu unterstützen, lange genug am Ball zu bleiben, damit sie ein lebendiges inneres Bild und Erleben entstehen lassen kann.

Wir fragen also neben den oben erwähnten Fragen “wie wäre es gut”, und so weiter, auch noch Fragen wie: 

Wie möchtest du es
Wie würdest du es mögen
Wie würdest du es schön finden
Wie hättest Du es am Liebsten
Was wäre für Dich ideal
Und so weiter …

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Fragen, die in ähnlicher Weise nach dem Guten suchen helfen.

Was in diesem Prozess auch immer wieder geschieht, ist, dass uns Einwände zu Bewusstsein kommen. Kaum haben wir formuliert oder angefangen uns vorzustellen wie es gut wäre, dann fallen uns Gründe ein, warum dieses oder jenes für uns nicht möglich ist.
Jedes Mal, wenn uns so etwas einfällt, wird der Suchprozess unterbrochen. Dadurch hat unsere Vorstellungskraft nicht genügend Zeit, die neuen Vorstellungen und Ideen hervorzubringen, nach denen wir suchen. Die Einwände wirken hierbei wie eine Art Störung oder Ablenkung.
Wir wollen diese Einwände eine Zeitlang zurückstellen. Wir wollen unseren Prozess so organisieren, dass der erste Suchprozess in Ruhe ablaufen kann. Die Einwände und Schwierigkeiten wollen wir später behandeln. Immer Schritt für Schritt, eines nach dem anderen.

Das Zurückstellen der Einwände machen wir in diesem ersten Schritt, indem wir uns zum einen zu Beginn klarmachen, dass wir sie zunächst zurückstellen möchten und zum zweiten, indem wir in die Formulierungen unserer Unterfragen entsprechende Freischalter einbauen. Freischalter sind Begriffe und Ideen, mit deren Hilfe wir uns für einen Moment erlauben können, die Ideen von Einwänden und Schwierigkeiten zurückzustellen. Wir tun das in dem Wissen, dass wir, wenn es später noch wichtig ist, immer noch darauf zurückkommen können.
Beispiele für diese Art von Freischaltern sind:

Am Liebsten
Idealerweise
Optimalerweise
Wenn Du könntest wie du wolltest
Wenn Du es Dir aussuchen könntest
Wenn eine Art Wunder geschehen würde
Wenn ein Wunder möglich wäre

Auch hier gibt es noch weitere Möglichkeiten für Formulierungen. Dies sind die, die wir am häufigsten verwenden. Wir verwenden sie individuell an die Gegebenheiten angepasst, indem wir sie mit den oben aufgeführten Unterfragen kombinieren.

Wir suchen mit unserem Fragen nicht nur in der Zukunft nach guten Lösungen.
Wir schauen in jedem Fall immer auch in der Zeit zurück und halten dort nach guten Ideen und Erinnerungen Ausschau. Sehr oft stoßen wir hierbei auf zum Teil nur oberflächlich vergessene Möglichkeiten und Fähigkeiten.
Wir fragen hier z.B.:

Wann war es gut, wie war es gut
Wann war es mal so wie Du möchtest
Und was war da vielleicht Dein Beitrag
Und so weiter

Der Ton, in dem wir den Prozess angehen, spielt ebenfalls eine Rolle.
Je mehr wir selbst davon überzeugt sind, auf einem guten Weg zu sein, je mehr wir selbst davon überzeugt sind, dass sich gute Lösungen zeigen werden, je besser wir wissen, dass die Dinge einfach sein dürfen und im Grunde nur genügend Zeit brauchen, desto mehr werden wir das auch ausstrahlen.
Noch nicht erwähnt habe ich bis hierher den Bereich, der die Grundlage unsere Arbeitsweise darstellt. Das ist das Wissen um die fast unbegrenzten Möglichkeiten und die unendliche Kreativität und Vitalität, die in jedem einzelnen von uns steckt. Und vor allem, das zu wissen gehört zu unserem guten Ton.